Gender Happening in Berlin

Update 20. Juni: Die Anmeldung ist freigeschaltet.
Gender is Happening – mit diesem Slogan will die Heinrich-Böll-Stiftung vom 6. bis 11. Juli in Berlin Programm machen. Hugs and Kisses erkundet, was sich hinter der Ansage verbirgt.
„Wollen Sie mit einem Mann sprechen oder mit einer Frau? Das macht schon etwas aus.“ Die Rückfrage auf meine Bitte um ein Interview lässt keinen Zweifel: Geschlechterfragen werden im Gunda Werner Institut der Heinrich-Böll-Stiftung ernst genommen. Bevor ich herausfinden kann, welchen Unterschied das machen soll, entscheidet der Zufall – Henning von Bargen ist im Haus. Er leitet zusammen mit Gitti Hentschel das Institut und hat die ungewöhnliche Veranstaltungswoche mit konzipiert.
Porno, Politik und Performance
Pornos sollen in dieser Woche auf den Tisch kommen – oder wenigstens die Frage, wie sie sein könnten, ohne in die Fallen gewohnter Geschlechterdarstellungen zu tappen. Berufs-Politikerinnen und -Politiker werden diskutieren, wie sie die deutsche Verfassung umschreiben wollen und welche Spielräume die derzeitige Gesetzeslage für queere Lebensstile bereithält oder verwehrt. Panels thematisieren, ob sich mit dem Label „queer“ Geld verdienen lässt. Junge Medienmacherinnen entstauben „Feminismus“, und Workshops unterstützen beim Selbermachen – einen Blog aufsetzen oder die Stimme im eigenen Radio erheben. Das Programm zeigt: Geschlecht passiert – selbstverständlich, jederzeit und überall.
umh: Für wen veranstalten Sie „Gender is Happening“?
Henning von Bargen: Wir richten uns an das queere, junge Publikum, das sich bislang vielleicht nicht so breit von der Heinrich-Böll-Stiftung angesprochen gefühlt hat. Traditionell hat die Stiftung Kontakte zur feministischen, frauenpolitischen Szene. Aber wir beobachten, dass sich junge Leute aus subkulturellen Szenen, Studenten aus dem Genderbereich oder frauenbewegte Frauen aus unterschiedlichen Perspektiven mit Geschlechterfragen befassen. Diese jüngeren Menschen wollen wir auf keinen Fall verpassen. Die Stiftung steht für verschiedenste Ansätze offen.
Nehmen Sie eine Generationenspaltung wahr?
Nein, aber wenigstens in Berlin beobachten wir Szenen, Kulturen, Subkulturen mit eigenen Zugängen. Von außen erscheint es, als hätten die wenig Bezug zueinander. Wir wollen junge Menschen, die sich jenseits herkömmlicher Debatten mit Genderfragen auseinandersetzen, mit herkömmlichen Zielgruppen in Kontakt bringen.
Der Begriff „queer“ wird vermehrt mit „schwul-lesbisch“ gleichgesetzt. Welche Bedeutung hat „queer“ im Programm von „Gender is Happening“?
Der Begriff “queer” wird unterschiedlich aufgeladen. Ich verbinde damit die Frage: Wie weit geht es mit der Auflösung fester Zuschreibungen und Kategorien? Es gibt eine Kultur der Zweigeschlechtlichkeit, die immer wieder präsentiert wird. Wir wollen sehen, wie man da herauskommt.
Welche Veranstaltung sollten Besucher auf keinen Fall verpassen?
Sie sollten alles mitnehmen. Wenn das nicht geht, würde ich völlig subjektiv raten: Guckt euch mal das an, was immer sehr weit weg von Euch war. Einer Kollegin, die stark feministisch unterwegs ist, würde ich zum Beispiel raten, ein Panel wie “Männerleben im GenderDschungel” zu besuchen. Themen abseits der bisherigen Pfade helfen, die Perspektive zu wandeln und in Dialog zu kommen.
Welche Vorkenntnisse müssen Teilnehmer mitbringen?
Gar keine. Die Woche ist so breit angelegt, so wenig fachspeziell. Man muss sich nur dafür interessieren.
Wieviele Teilnehmer erwarten Sie?
Wir erhoffen ein gefülltes Haus, minimal 200 Gäste pro Tag.
Wie können Interessierte dabei sein?
Sie können sich bald online anmelden. Die Veranstaltungen sind bis auf wenige Ausnahmen kostenlos. Für einzelne Termine wie die Genderwalks, die Weinprobe oder die Shows erheben wir einen geringen Unkostenbeitrag.
Vielen Dank für das Gespräch! // umh
Ort: Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Schumannstraße 8, 10117 Berlin
Blog mit Veranstaltungsprogramm: http://gender-happening.de

