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Kvir u Beogradu – Queere Szene Belgrad

April 21st, 2009 — 4:52pm
Transfabolous, London2008.

Transfabolous, London2008.

»… und dann war die Eröffnung. Wir hatten uns in Schale geworfen und alle waren da, sogar Milan … Ich glaube, das war der Moment, in dem ich anfing, zu träumen – als ob jede Pore meines Körpers offen wäre. Und Belgrad schien plötzlich wie eine Stadt mit offenem Geist zu sein. Maja sagte ständig, wie schön jede_r sei, und wir waren wunderschön in dieser Nacht. Verrückt, mir war gar nicht bewusst, dass wir etwas Wichtiges für uns und unser Umfeld taten. Ich bin mir immer noch nicht sicher, was genau sich verändert hat … und ob. Ich hatte Angst, dass niemand zur Eröffnung oder den Workshops kommen würde, aber sie kamen. Ganz verschiedene Leute, die ich teilweise auch gar nicht kannte … woohoo … es sieht so aus, als ob wir unser Ghetto verlassen.«

15 Jahre nach dem ersten Arkadija-Treffen und 4 Jahre nach der angegriffenen Pride-Parade 2001 haben wir im Mai 2005 das erste Queerbeograd-Festival organisiert. Im Oktober 2008 fand es das fünfte Mal statt. Seit wir als Kollektiv angefangen haben, gemeinsam zu arbeiten, erleben wir, wie sich gesellschaftliche Grenzen und Möglichkeiten für Queers in Serbien verschoben und verändert haben. Trotz der tagtäglichen Diskriminierungen pushen wir Vorstellungen und erweitern gesellschaftliche Räume, schaffen Netzwerke (lokal und international) und reale physische Räume. Um all das soll es in diesem Artikel gehen.

Schwul-lesbische Bewegung

Schwul-lesbische Rechte waren bis in die späten 1980er, als der Schriftsteller Jovan Cirilov begann, öffentlich über das Thema zu sprechen, nicht im Fokus der jugoslawischen Öffentlichkeit. Mit Arkadija wurde 1990 in Belgrad die erste schwul-lesbische Gruppe gegründet – noch zu einer Zeit, in der ihre Existenz illegal war. Bald wurden die Anstrengungen der Aktivist_innen von der Kriegspolitik und dem damit einhergehend stärker werdenden Nationalismus sowie dem ökonomischen Abstieg überlagert. In dieser Zeit fiel es kaum auf, dass 1994 Homosexualität zwischen Erwachsenen im Stillen entkriminalisiert wurde.

Der Antikriegsprotest in Serbien wurde vor allem durch pazifistische, feministische Gruppen getragen (Zene u crnom – Frauen in Schwarz). Neben regelmäßigen Kundgebungen ging es auch darum, antimilitaristische Netzwerke (wieder-)aufzubauen. Unter anderem wurde von Serbien aus ein SOS-Telefon organisiert – für Frauen in Bosnien, die von (serbischen) Militärs sexuell missbraucht worden waren.

Kurz vor Ende des Bosnien- bzw. Kroatienkrieges wurde im März 1995 Labris gegründet, die bis heute eine der wichtigsten Gruppen in Serbien ist, wenn es um die Menschenrechte von LGBTIQ1) (in erster Linie Lesben) geht. Labris macht Lobbying für ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz, jährliche Berichte, beispielsweise darüber, wie LGBTIQ(-Themen) in der Presse und von Politikeren verhandelt bzw. aufgegriffen werden, organisiert Kampagnen gegen Homophobie und bietet Unterstützung jeglicher Art für Lesben/Queers an.

2000 wurde Gayten – Centar za promociju prava seksualnih manjina (Zentrum zur Förderung von Rechten sexueller Minderheiten) gegründet. Ähnlich zu Labris wird hier vor allem Lobby-Arbeit betrieben. Darüber hinaus organisiert Gayten das LGBTIQ-SOS-Telefon und hat den Aufbau der ersten serbischen Trans-Gruppe stark unterstützt, deren Treffen seit über einem Jahr in den Räumlichkeiten von Gayten stattfinden.

Rechtliche Situation

Männliche Homosexualität war in Serbien bis 1977 offiziell verboten, allerdings gibt es keine Akten darüber, dass das Gesetz je zur Anwendung kam. Ein Gesetz, welches sich an weibliche Homosexualität adressiert hätte, gab es jedoch nie. Wie auch – Lesben haben ja keinen Sex …

In den späten 1970er Jahren wurde den Provinzen Jugoslawiens mehr Autonomie in der Gesetzgebung zugestanden. Einhergehend mit der offenen Einstellung der Bevölkerung zu Homosexualität wurde diese 1978 in der Vojvodina, der nördlichsten Provinz Serbiens, legalisiert: Homosexualität wurde der Heterosexualität ohne eine eigene Gesetzgebung wie die zur Homo-Ehe, zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder zum Schutz vor Diskriminierung gleichgestellt. Die Legalität währte bis 1990, also bis die Vojvodina wieder vollständig ins serbische Rechtssystem eingegliedert wurde, welches Homosexualität zu dieser Zeit immer noch illegalisierte.

1994 schließlich wurden einvernehmlicher Analverkehr ab dem Alter von 18 Jahren und andere sexuelle Praktiken ab dem Alter von 14 Jahren legalisiert. Erst zum 1. Januar 2006 legalisierte man einvernehmlichen Sex zwischen Menschen ab dem Alter von 14 Jahren, unabhängig ihrer sexueller Orientierung oder ihres Genders.

In den Straßen … jeden Tag

Aber wie lebt man Tag für Tag queer in einer Gesellschaft, die streng patriachal, heterosexistisch, orthodox und nationalistisch ist – in einem Land, das man ohne Visum nicht verlassen kann und in dem man nicht viel Geld zu Verfügung hat?

Das sind Fragen und Themen, mit denen man tagtäglich konfrontiert ist. Seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Jugoslawiens haben die orthodoxe Kirche und nationalistische Ideen einen enormen Aufschwung erlebt und wurden zu Normativen der heutigen serbischen Gesellschaft. Seit Jahren halten rechte und ultrakonservative Parteien die parlamentarische Mehrheit, wodurch ihre »Blut und Boden«-Ideologie auf eine institutionalisierte Ebene gebracht wurde und wird. Beispielsweise hat die utranationalistische »serbische radiakale Partei«2) 29,5% der Stimmen bei den Parlamentswahlen im Jahr 2008 erhalten. Im Vergleich dazu erhielt die »demokratische« (was auch immer das in Serbien heißt) Partei (Demokratska Stranka) 38,4% und ging 2008 mangels Alternativen eine Koalition mit der ehemaligen Milosevic-Partei (Socijalisti_ka Partija Srbije) ein. Soweit zur politischen Lage.

»Ubi perderi – Tötet die Schwuchteln«

Beim Versuch, 2001 die erste Pride-Parade in Serbien zu veranstalten, mussten Lesben und Schwule nicht nur Klerofaschisten3) als Gegener erleben, sondern auch serbisch-orthodoxe Priester, die den Mob anführten. Sie hielten Reden über die Sünde »Homosexualität« und gaben der Gewalt gegenüber den Teilnehmer_innen der Pride-Parade ihren Segen. Gleichzeitig darf die Rolle des »normalen Bürgers« nicht vergessen werden. Das Schlimmste daran, offen und out auf die Straßen zu gehen war wahrscheinlich, die Reaktionen der Vorbeigehenden/Zuschauer zu erleben. Sie waren diejenigen, die den prügelnden Faschos applaudierten und sie anfeuerten. Manche sagten in Interviews mit Journalisten, dass sie sich persönlich angegriffen fühlten, weil Lesben und Schwule ihr Privatleben in die Öffentlichkeit brächten.

Das illustriert, was man täglich unter der Oberfläche spürt und was man in Entscheidungen, wie eines Coming-Outs (bzw. wem gegenüber), miteinbezieht. Auf der anderen Seite, auch wenn es widersprüchlich klingen mag, ist es durchaus möglich, queer zu sein und zu leben, wie man will. Gerade in Belgrad, einer Millionenstadt, gibt es Möglichkeiten und auch den Raum dazu, anders zu leben. Die Situation in den ländlichen Gegenden gestaltet sich natürlich schwieriger bis unmöglich. Es sei hier nur auf den Kosovo verwiesen, wo sich die Situation von LGBTIQs dramatisch verschlimmert hat.
Wenig überraschend ist es, dass es in Serbien meist einfacher ist, als Lesbe out zu sein als als schwuler Mann. Die Machokultur lässt wenig Raum für die Vorstellung einer weiblichen Sexualität – genauso wenig, wie für die Existenz einer schwulen Identität –von trans- oder intersexuellen Menschen gar nicht zu sprechen.

Diese mit der Heteronormativität einhergehende Ignoranz kann einen auch in recht eigenartige Situationen bringen: Butches kriegen anerkennende Schulterklopfer für die schicke Femme an ihrer Seite von Typen, denen man lieber nicht zu nahe kommt, und Femmes werden gehässig von der Seite angeguckt für – wahrscheinlich – die schicke Butch an ihrer Seite.Das orthodoxe Auge sieht offenbar nur, was es sehen will …

Ökonomische Situation

Wenn wir über das Leben in Serbien oder Ex-Jugoslawien sprechen, muss die ökonomische/soziale Situation in die Betrachtung mit einbezogen werden. Ob wir Geld haben oder nicht, beeinflusst stark die Möglichkeiten und Entscheidungen, die wir sehen und treffen. Das Durchschnittseinkommen im Land liegt bei etwa 200 Euro, wohingegen die Kosten für Miete, Strom, etc. teilweise mit Berlin vergleichbar sind. Dies führt dazu, dass viele Menschen es sich schlicht nicht leisten können, mit ihren Freund_innen oder Partner_innen zusammenzuziehen. Diese Situation wirkt sich natürlich auch auf die Community aus, z.B. in der Menge an Zeit, die in unbezahlte Politarbeit gesteckt werden kann.

Community

Wie schon erwähnt, unterscheidet sich Belgrad auch in Bezug auf die queere Community sehr von den ländlichen Gegenden. Es gibt eine handvoll Bars, eine regelmäßige Partylinie (queer‘n‘loud) und ein paar gayfriendly Clubs, wo sich LGBTIQs treffen, abhängen und feiern können. Darüber hinaus schaffen Gruppen wie Queerbeograd, Labris oder Zene na delu mit den mehrtägigen Festivals oder Workshops fokussierte temporäre Räume, die auch Queers außerhalb Belgrad ansprechen.

Neben den »realen« Räumen spielt das Werkzeug Internet eine immense Rolle als Ort des Austausches und Treffens. Es existieren Foren, Chats, Newslists und Websites für/von Queers. Nicht verwunderlich, dass Queerbeograd auch ein Facebook-Profil führt … Gerade in den Gegenden, in denen eine »reale« Vernetzung schwierig ist, bieten die virtuellen Räume die Chance, an Informationen zu queeren Themen zu kommen, die nicht orthodox verdreht wurden. Interessant ist die Lücke, die sich dadurch teilweise zwischen Queers, die sich dicht am internationalen Genderdiskurs bewegen, und der Mehrheit, die zu 80% denkt, dass Homosexualität eine Krankheit ist, die geheilt werden muss, bildet.

Queer/Kvir

Der Begriff »queer« ist ein westliches Importprodukt. Bis heute ist der Begriff für viele nicht gefüllt, was sowohl Möglichkeiten eröffnet als auch Schwierigkeiten mit sich bringt. Als wir 2005 das erste Queerbeograd-Festival organisierten, war »queer« als Konzept relativ neu. (Das erste Queerfestival in Südosteuropa fand 2003 in Zagreb statt.) Wir nutzten diese Situation, um den Begriff »queer« eng an linksradikale Positionen (noborder, Antirassismus, Feminismus, Antimilitarismus, Antifa …) zu knüpfen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass sich das Queerbeograd-Kollektiv aus der Organisation der People-Global-Action-Konfernz 2004 in Belgrad gegründet hat.
Der Nachteil, einen neuen Begriff zu besetzen, liegt darin, dass er oft noch nicht stark genug ist, politische Statements deutlich zu platzieren. Auf serbisch ist »peder« (was so viel heißt wie »Schwuchtel«) der beleidigende Begriff, der »queer« in englischsprachigen Ländern ist. So werden Schwule auf der Straße, im Fernsehen, von manchen Politikern und den ganz »normalen« Leuten als »peder« bezeichnet.

Queerbeograd

Das Ziel des Kollektivs war von Anfang an, Räume zu schaffen. Nach dem erschütternden Ereignis der Pride-Parade 2001 und dem Erschrecken der Community über die Gewalt war es essentiell, wieder Räume aufzumachen, in denen man sich sicher treffen und neu zusammenfinden konnte.

Genauso wichtig wie die inhaltlichen liksradikalen/queeren Verknüpfungen war und ist es für uns, Themen nicht nur in einem kleinen Kreis zu verhandeln, sondern die Diskussion mit Gruppen verschiedener Hintergründe, Praxen und Zielen zu suchen, beispielsweise mit Sexarbeiter_innen aus Rom/London und Nis mit Sexarbeits-Aktivist_innen aus Belgrad und Skopje oder Trans-Aktivist_innen aus London mit welchen aus Belgrad und Sarajevo. Der Versuch, Aktivist_innen, Künstler_innen, Akademiker_innen etc. sowohl aus Ex-Jugoslawien als auch Ost- und Westeuropa in einem Panel zusammenzubringen, bleibt der Anspruch der Festivals. Ob er gelingt, kann in unseren Publikationen nachgelesen werden …

Transsexwork Performance, Festival 2007

Transsexwork Performance, Festival 2007

Dieses Verbinden von Geschichten, Kritiken und Ebenen ist auch der grundsätzliche Anspruch der Performances, die ein Herzstück unserer Arbeit sind. Die Auftretenden sind meistens Aktivist_innen und stehen oft zum ersten Mal auf der Bühne. Die performten Stücke sind ihre eigenen Geschichten oder die anderer Menschen aus unserem Umfeld – Geschichten über politischen Aktivismus, eigene Identitäten oder Erfahrungen, die durch die erlebende Person verknüpft und so beschreibbar werden.

»I‘m your bastard daughter white trash whore sister bitch goddess chipped brick uber slut, fuck you in the ass nightmare kind of girl … raised by mama to do all the right things … and just look at how I turned out. An angel in the kitchen and a whore in the bedroom … give me half a chance and I‘ll see if we can work out some thing that combines the two … how about you cook me dinner in your underwear and then I fuck you on the table?«
Jet Moon, Femme-inism 101, Zitat aus der Performance

Beim ersten Queerbeograd-Festival gab es u.a. Workshops und Diskussionen zu S/M, Theaterpraxen, der Situation von Roma-Frauen in Ex-Jugoslawien oder Selbstverteidigung. Am 3.Tag organisierten wir eine Straßenparty im Stadtzentrum unter dem Motto »Stop der Gewalt in den Straßen« (»Stop nasilju na ulicama«) und … nichts passierte!
Diese Erfahrung war großartig und zeigte, wie viel doch möglich war. Nur 6 Monate später veranstalteten wir das 2. Festival unter dem Titel »Party and Politics« im »REX kulturni centar«, bei dem wir uns auf inhaltliche, politische Diskussionen (politics of control, gender and identity, art and politics, radical queer theory) und Performances konzentrierten. Ab diesem Zeitpunkt begannen wir auch, die Auseinandersetzungen zu dokumentieren und zu publizieren.

Netzwerke

Während des 4. Queerbeograd-Festivals im Oktober 2007 hat sich ein Bus voll  Festivalteilnehmer_innen an einer Antifademo in Novi Sad beteiligt. Im Verlauf der Demo wurden Personen aufgefordert, die mitgebrachten Regenbogenflaggen einzupacken. Antifas sprachen von einem allgemeinen Fahnenverbot. Da aber sehr wohl Antifafahnen geschwenkt wurden, konnte die Erklärung nicht so einfach hingenommen werden.
Während eines Antifa-Kongresses in Srenjanin, an dem Queerbeograd auch teilnahm, kamen unterschiedliche Positionen zu Tage. Von »wir sind alle Teil einer Bewegung« bis zu »warum sollen wir mit den Queers zusammenarbeiten, wenn wir deshalb von den Faschos angegriffen werden«. Dies nahmen wir als Anlass, das darauffolgende Festival unter das Thema »Direkte Aktion und Antifaschismus« zu stellen. In der kontroversen Diskussion kamen Antifas aus Moskau, Srenjanin und Belgrad sowie Queers aus Istanbul zusammen.
Einige Wochen später, im Oktober 2008, gab es auch in Belgrad eine große, von einem bürgerlichen Bündnis getrage Antifa-Demo, an der sich Queerbeograd in einem antiautoritären/postlinken/queeren/anarchistischen/punk/libertären Block4)  beteiligte. Diese Teilnahme war aus zwei Gründen wichtig für uns: Zum einen, um zu zeigen, dass wir als Queers Teil einer antifaschistischen Bewegung sind und dass man deswegen zur Homophobie nicht schweigen kann, und zum anderen, um gemeinsam ohne Angst auf die Straße zu gehen und dies der Erfahrung des Angriffs auf das Festival entgegenzusetzen.

Angriff auf das 5. Queerbeograd-Festival

Am 19. September 2008 (2. Festivaltag) verließ eine Gruppe von Teilnehmer_innen den Festivalort und wurde von einer Gruppe von ca 20 Obraz-Mitgliedern angegriffen. Fünf Menschen wurden verletzt, einer davon schwer, mit einem gebrochenen Arm. Der Vorfall ereignete sich in unmittelbarer Nähe zum Festival, so dass die zum Festivalschutz abgestellten Polizisten schnell eingriffen.

Der Angriff steht in klarem Zusammenhang mit einem Zeitungsartikel, der in der Woche vor dem Festival erschien. Die Gratis-Zeitung 24 sata publizierte auf der Titelseite einen sensationalistischen Artikel unter der Überschrift: »5. klandestines Schwulenfestival in Belgrad« (Peti skriveni gej festival u Beogradu). Daraufhin wurde das Festival zum Thema in mehreren nationalistischen Internetforen.

Ein Angreifer konnte sofort festgenommen werden, zwei weitere am darauffolgenden Tag. Die Staatsanwaltschaft brachte eine Klage wegen schwerer Körperverletzung und zwei wegen gewalttätigen Verhaltens ein. Die Menschenrechtsorganisation Labris führt die Nebenklage auf Basis der Diskriminierung. Somit ist dies das erste Mal in Serbiens Rechtssprechung, dass Diskriminierung aufgrund einer anderen sexuellen Orienterung als der heterosexuellen Gegenstand einer Klage ist.

Zwar gibt es kein umfassendes Antidiskrimierungsgesetz, aber verschiedene Dekrete zu Gleichbehandlung und Diskriminierung, die z.B. in Fällen der Diskriminierung von Roma angewandt wurden. Dieser Prozess zum ersten organisierten Angriff auf LGBTIQs seit der Pride-Parade 2001 kann zu einem Präzedenzfall werden. – Zum allerersten Mal reagierten staatliche Institutionen auf homophobe Gewalt, und der Minister für Menschen- und Minderheitenrechte verurteilte den Übergriff öffentlich. Bis zu diesem Zeitpunkt haben Politiker und Institutionen kaum ein Wort zu LGBTIQ-Themen verloren, genauso wie die Polizei der Community in der Vergangenheit den Schutz verweigert hatte.
Diese Ereignisse bedeuten hoffentlich positive Veränderungen für LGBTIQs/Queers. Aber auch für unsere politische Arbeit zeigen sich Auswirkungen. Ob wir wollen oder nicht, unsere Arbeit ist in der Öffentlichkeit gelandet. Was auf einer Seite sehr gut ist, bedeutet auf der anderen auch, dass wir Fragen der Sicherheit neu diskutieren müssen.

2009 wird es kein 4-tägiges internationales Festival in Belgrad geben. Wir werden es stattdessen in diesem Jahr in verschiedene kleinere, lokale Tages-Events transformieren. Das eröffnet die Möglichkeit – ohne uns zu verstecken – weiterhin lokale Netzwerke zu knüpfen, unseren Raum zu schaffen und gesellschaftliche Grenzen und Normen weiterhin herauszufordern und zu verändern.

Mehr Infos:
www.queerbeograd.org
Kontakt:
queerbeograd@yahoo.co.uk
Spenden für Prozesskosten und Betroffenenunterstützung sind sehr willkommen.
Text und Fotos: queerbeograd

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