
Superfreak - USA 2006, 60 Minuten, Englisch
von Barbara Schulz
Ausgerechnet ich schreibe über einen Pornofilm. Wo ich doch in meinem ganzen Leben nur wenige »richtige« Pornofilme gesehen habe und mich am besten an meinen allerersten Porno erinnern kann, der eine hanebüchene Handlung hatte: Blinde Frau lernt reiten, verliebt sich in ihren Reitlehrer, sie haben heißen Sex – und danach kann die Frau wieder sehen. Das ist doch … Ohne Worte!
Dementsprechend hatte ich keine großen Erwartungen, als ich die »SUPERFREAK«-DVD in den Player schob. Und wurde angenehm überrascht. Keine beknackte Story drumrum, einfach nur Frauen, die sich auf einer Queer-Party treffen, ein paar Drinks nehmen, zu sinnlicher Funk-Musik tanzen und flirten. Und auch Sex haben. Mal hinter dem Sofa, im Bad oder auf einem Spültisch.
Angenehm ist,dass die Frauen alle wie im wirklichen Leben ausschauen und man sich als Zuschauerin wenig bis gar nicht wie eine Voyeurin fühlt, sondern eher wie ein gern gesehener Gast, der nicht weiter stört. Schön, dass die Regisseurin Shine Louise Houston ohne hektische Großaufnahmen arbeitet und die Kamera meist nur ruhig draufhalten lässt, was dem Ganzen etwas Entspanntes gibt. Und komisch ist das Ganze auch noch. Und zwar, weil über allem der Geist von Funk Hipster Rick James schwebt, der im Jahr 2004 gestorben ist und mit »SUPERFREAK« einen seiner größten Hits hatte. Er flüstert den Partygästen für uns leider unverständliche Dinge ins Ohr und dann geht’s ab wie Schmidts Katze …

Shine Louise Houston
Regisseurin Shine Louise Houston beschloss nach dem Kunststudium am San Francisco Arts Institute erotische Filme zu drehen, gern mit viel Spaß und noch lieber queer. Die Idee dazu kam ihr, als sie fünf Jahre lang in der von Frauen geführten Sexspielzeugfirma »Good Vibrations« jobbte und Unmengen an Pornofilmen ansah. Sie bekam mit, dass auch lesbische Frauen sich natürlich gerne Erotikfilme ausleihen wollten, es aber nur vier Filme gab, die in Frage kamen. Die waren entweder aus den 1980er-Jahren oder von Männern gedrehte Girl-on-Girl-Pornofilme, deren Pornostars lange Haare und lackierte Fingernägel hatten. Was den Lesben nicht so sehr gefiel und nicht nur den Anschein hatte, als wären die Filme eher für männliche Zuschauer gemacht.
Houston dachte sich »Selbst ist die Frau!« und gründete ihre eigene Porno-Firma, Pink and WhiteProductions, nicht nur, um feine Pornos zu drehen, sondern auch, um ihren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, die ihrer Meinung nach endlich eine gesunde Sexualität entwickeln soll. Den Vorwurf, dass die Pornoindustrie Frauen ausbeute, findet Houston antiquiert. Sie meint, dass diese Sichtweise ebenfalls bedeuten müsse, dass die Pornoindustrie Männer ausbeutet und wehrt sich gegen diese Anti-Sex Haltung, die Sex nur als Gewalt und Degradierung zulässt.
Ihr filmisches Debut aus dem Jahr 2005, »Crash Pad«, handelt von einem Appartment in San Francisco, zu dem es sieben Hausschlüssel gibt. Alle, die einen Schlüssel ergattern können, können mit dem oder der Wunsch-Sexpartner_in dort hinein und »fantastischen Sex« haben, wie Houston verspricht. Allerdings sind ein paar Regeln zu beachten, wie zum Beispiel dass man anrufen soll, bevor man in der Wohnung vorbeischaut. Wenn niemand rangeht, ist frei. Und immer schön nach dem Motto »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst«. Manchmal werden Anrufer_innen auch zu spontanen Sex-Parties eingeladen. Und: jede_r darf den Schlüssel nur sieben Mal benutzen und muss ihn dann an eine Person weitergeben, der das »Crash Pad« ebenfalls gefallen könnte. Die Sache hat nur einen Haken: Überall sind Kameras, und die Dinge, die dort geschehen, werden »heimlich« (zwinker) gefilmt. Houston selbst leistet sich ab und an einen Cameo-Auftritt im Film.
Man kann sich das Ganze übrigens auch auf der niedlich aufgemachten und wöchentlich aktualisierten Pinkwhite-Website ansehen; dort werden Fotosessions und Videos zum Download angeboten und alle sind eingeladen teilzunehmen: Dykes, Lesben, Transfolk, Femmes, Butches, Bois und Queers. Man kann sich auch gleich online bewerben.
In einem Interview der amerikanischen Zeitschrift »CURVE« wurde Houston übrigens befragt, ob sie sich vorstellen könne, auch mal einen Hetero-Porno zu drehen. Ihre Antwort: »Kann sein, dass ich eines Tages mal mit einem Hetero-Paar einen Porno drehen werde. Aber sie werden definitiv queeren Sex haben!« Angeblich hat sie noch fünf bis sechs andere Filmprojekte in der Schublade. Wir sind gespannt, was sie als nächstes rausholt!
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