Update 20. Juni: Die Anmeldung ist freigeschaltet.
Gender is Happening – mit diesem Slogan will die Heinrich-Böll-Stiftung vom 6. bis 11. Juli in Berlin Programm machen. Hugs and Kisses erkundet, was sich hinter der Ansage verbirgt.
„Wollen Sie mit einem Mann sprechen oder mit einer Frau? Das macht schon etwas aus.“ Die Rückfrage auf meine Bitte um ein Interview lässt keinen Zweifel: Geschlechterfragen werden im Gunda Werner Institut der Heinrich-Böll-Stiftung ernst genommen. Bevor ich herausfinden kann, welchen Unterschied das machen soll, entscheidet der Zufall – Henning von Bargen ist im Haus. Er leitet zusammen mit Gitti Hentschel das Institut und hat die ungewöhnliche Veranstaltungswoche mit konzipiert.
Porno, Politik und Performance
Pornos sollen in dieser Woche auf den Tisch kommen – oder wenigstens die Frage, wie sie sein könnten, ohne in die Fallen gewohnter Geschlechterdarstellungen zu tappen. Berufs-Politikerinnen und -Politiker werden diskutieren, wie sie die deutsche Verfassung umschreiben wollen und welche Spielräume die derzeitige Gesetzeslage für queere Lebensstile bereithält oder verwehrt. Panels thematisieren, ob sich mit dem Label „queer“ Geld verdienen lässt. Junge Medienmacherinnen entstauben „Feminismus“, und Workshops unterstützen beim Selbermachen – einen Blog aufsetzen oder die Stimme im eigenen Radio erheben. Das Programm zeigt: Geschlecht passiert – selbstverständlich, jederzeit und überall.
Henning von Bargen
umh: Für wen veranstalten Sie „Gender is Happening“? Henning von Bargen: Wir richten uns an das queere, junge Publikum, das sich bislang vielleicht nicht so breit von der Heinrich-Böll-Stiftung angesprochen gefühlt hat. Traditionell hat die Stiftung Kontakte zur feministischen, frauenpolitischen Szene. Aber wir beobachten, dass sich junge Leute aus subkulturellen Szenen, Studenten aus dem Genderbereich oder frauenbewegte Frauen aus unterschiedlichen Perspektiven mit Geschlechterfragen befassen. Diese jüngeren Menschen wollen wir auf keinen Fall verpassen. Die Stiftung steht für verschiedenste Ansätze offen.
Nehmen Sie eine Generationenspaltung wahr?
Nein, aber wenigstens in Berlin beobachten wir Szenen, Kulturen, Subkulturen mit eigenen Zugängen. Von außen erscheint es, als hätten die wenig Bezug zueinander. Wir wollen junge Menschen, die sich jenseits herkömmlicher Debatten mit Genderfragen auseinandersetzen, mit herkömmlichen Zielgruppen in Kontakt bringen.
Der Begriff „queer“ wird vermehrt mit „schwul-lesbisch“ gleichgesetzt. Welche Bedeutung hat „queer“ im Programm von „Gender is Happening“?
Der Begriff “queer” wird unterschiedlich aufgeladen. Ich verbinde damit die Frage: Wie weit geht es mit der Auflösung fester Zuschreibungen und Kategorien? Es gibt eine Kultur der Zweigeschlechtlichkeit, die immer wieder präsentiert wird. Wir wollen sehen, wie man da herauskommt.
Welche Veranstaltung sollten Besucher auf keinen Fall verpassen?
Sie sollten alles mitnehmen. Wenn das nicht geht, würde ich völlig subjektiv raten: Guckt euch mal das an, was immer sehr weit weg von Euch war. Einer Kollegin, die stark feministisch unterwegs ist, würde ich zum Beispiel raten, ein Panel wie “Männerleben im GenderDschungel” zu besuchen. Themen abseits der bisherigen Pfade helfen, die Perspektive zu wandeln und in Dialog zu kommen.
Welche Vorkenntnisse müssen Teilnehmer mitbringen?
Gar keine. Die Woche ist so breit angelegt, so wenig fachspeziell. Man muss sich nur dafür interessieren.
Wieviele Teilnehmer erwarten Sie?
Wir erhoffen ein gefülltes Haus, minimal 200 Gäste pro Tag.
Wie können Interessierte dabei sein?
Sie können sich baldonline anmelden. Die Veranstaltungen sind bis auf wenige Ausnahmen kostenlos. Für einzelne Termine wie die Genderwalks, die Weinprobe oder die Shows erheben wir einen geringen Unkostenbeitrag.
"Queer Rechte sind Menschenrechte" - Demonstration in Warschau, Polen.
von Chris Campe
Sommer, die große Reisezeit! Rumkommen, was ganz anderes sehen, alte Freunde treffen und neue kennenlernen … Elliat Graney-Saucke, Margaritte Knezek und Sidney Jo aus Olympia, Washington, haben das letztes und vorletztes Jahr ausgiebig getan. Sie waren in Barcelona, Kopenhagen, Belgrad, Mailand, Rom, Leeds, London, Warschau und Berlin – mit einer Filmkamera und der Idee für »Travel Queeries«, einem abendfüllenden Dokumentarfilm über »radical queers in contemporary Europe«, der im Frühjahr 2009 Premiere haben wird.
Im Interview mit Chris Campe erzählt Elliat Graney-Saucke, die Regisseurin und Produzentin von »Travel Queeries«, von ihrem Film, den Reisen und ihrem Leben in Olympia, doch seht vorab den Trailer:
Chris Campe: In den Danksagungen auf Eurer Website stehen viele Leute aus der Berliner Queer-Szene. Das ist wenig überraschend, Du hast dort ein paar Monate gelebt. Aber denkst Du, dass Berlin ein Zentrum für »radical queers« in Europa ist? Wie habt Ihr die Drehorte für Euren Film ausgesucht?
Eliat Graney-Saucke: Berlin hat sich eher zufällig als Hauptangelpunkt ergeben. Als ich 2005 in Barcelona bei der Queeruption war, habe ich Tina Pornflakes und ein paar andere Leute aus Berlin kennengelernt. Ich hatte schon lange davon geträumt, in Europa zu leben, aber ich sah mich eher in Barcelona oder irgendwo am spanischen Meer. Ich hatte schon so viele großartige Geschichten über besetzte Schlösser gehört – das wollte ich auch erleben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich kein besonderes Interesse an der deutschen Kultur. Berlin war natürlich schon immer bekannt für seine homosexuelle Kabarett-Szene, über die aktuelle Szene und Kultur dort wusste ich jedoch nichts. Nach der Queeruption habe ich Tina im autonomen Hausprojekt x-b in Friedrichshein besucht – der Besuch dauerte letztendlich sechs Monate. In dieser Zeit habe ich mich in Berlin verliebt. Und das, obwohl ich eigentlich nur herkam, weil ich hier am meisten Leute kannte.
Als wir mit unserer Planung für »Travel Queeries« begonnen haben, wollten wir schon einen möglichst großen Querschnitt an Künstler_innen aus verschiedenen Ländern einbeziehen, die meisten Kontakte hatten wir aber in Berlin und in Großbritannien. Eine Auswahl zu treffen war ziemlich schwer. In Berlin habe ich eine Liste von 25 Berliner_innen zusammengestellt, alles Künstler_innen, die meines Erachtens ganz unentbehrlich für die Dokumentation sein würden. Wie man sieht, ist die Liste dann doch noch etwas geschrumpft.
»Travel Queeries« untersucht »radical queer« Kultur, Kunst und Aktivismus im heutigen Europa. Warum bezeichnet Ihr es ausdrücklich als »radical queer«? Was heißt radikal für Dich? Gibt es auch »normal queer«?
Lustig … als ich Deine Frage gelesen habe, dachte ich, Du würdest eher bei »contemporary« (dt. »heutig, gegenwärtig«) nachhaken. Die Frage nach dem Begriff »radical« (dt. »radikal«) ist aber sehr gut. Als wir unsere Interviews gemacht haben, wurden wir manchmal auf diesen Begriff angesprochen. »Radikal« hat für uns etwas mit der politischen Bedeutung von »queer« zu tun, die wir nicht aus den Augen verlieren wollten. »Queer« ist mittlerweile ein sehr aufgeweichter und oft verwendeter Begriff, der in den Mainstream eingeflossen ist. Bezeichnen sich Leute als »radical queer«, wollen sie meistens verdeutlichen, dass sie es mit dem »genderbending«, »queer« als politischem Begriff und ihrem Engagement als Aktivisten ernst meinen. Der Ausdruck »queer« an sich deckt für mich ein großes Spektrum von Leuten ab, aber die Club-Szene in Seattle zumindest zielt nur auf ein geselliges, tätowiertes und punkiges Publikum, das aber nicht wirklich politisch ist.
Leute, die ich als »radical queer« bezeichnen würde, leben zumeist in Projekten und schaffen abgefahrene, verrückte Kunst. Sie verbinden queere Lebensweise mit Kunst und/oder Aktivismus und sind dabei offen für andere Szenen und deren Probleme. So sehe ich das zumindest aus meiner Perspektive als Amerikanerin. Ich denke aber, dass sich diese Sichtweise auch gut auf Europa übertragen lässt. Radikale sind der Stachel in der Mainstream-Homosexualität. Durch ihr Verhalten, ihre Kritik an Ideen, Regeln und Normen sorgen sie für ein konstruktives Unwohlsein. Ich halte mich gerne in einer queeren Umgebung auf. Es gefällt mir, das Geschlecht einer Person nicht immer bestimmen zu können und auf Pronomen zu verzichten. Irgendwie stechen diese Leute aus den üblichen lesbisch-schwulen Beziehungsformen heraus und sind progressiver. Obwohl die Mädchen/Junge-Schubladen auch ziemlich viel Spaß machen können …
Das erinnert mich an den Trailer zu Eurem Film. Dort sagen eine ganze Reihe von Leuten das Wort »queer« – mit sehr verschiedenen Akzenten und Betonungen. Für mich fasst das wunderbar einen Teil dessen zusammen, worum es bei »queer« geht: viele verschiedene Blickwinkel. Wie verbindet Ihr in Eurer Dokumentation Filmmaterial von Orten wie Belgrad, Barcelona, Berlin und Warschau? Sind die Unterschiede in den Leuten und den Szenen in verschiedenen Ländern nicht ziemlich groß?
Nicht weitersagen, aber eigentlich bin ich noch dabei, das Ganze zusammenzuschneiden … Die grundlegende Idee ist, aufzuzeigen, welche Überschneidungen es in dieser Collage queeren Lebens gibt. Ein Beispiel dafür sind die Gespräche über den Marsch für Gleichberechtigung, der 2006 in Warschau stattgefunden hat. Da sind Queers in London, die sich über das Ereignis unterhalten. Dann die Schwulen vom Tuntenhaus in Berlin, die versuchen, einem Typen zu helfen, der verhaftet wurde. Schließlich natürlich die queeren Leute in Warschau, die sich über die Organisation des Marsches unterhalten und analysieren, welchen Einfluss die internationale Unterstützung auf die Sichtbarkeit von LGBT-Themen in Warschau und Polen hatte. All diese Leute, die sich untereinander nicht kennen, sind trotzdem miteinander verbunden. Hier wird zum einen die Existenz einer internationalen Gemeinschaft deutlich, zum anderen zeigt dieses Beispiel Gemeinsamkeiten queerer Kultur und queeren Lebens auf.
Ich denke, ich habe schon erwähnt, auf welche Art »queer« eine politische Identität sein kann. Der Film zeigt auch hier verschiedene Entwürfe. Da sind zum Beispiel die Gespräche über das »Queer Barrio« während des G8-Gipfels in Deutschland (2007). Außerdem wird die Thematik der »Queers without Borders« (dt. »Queers ohne Grenzen«) angesprochen, welche sich eher auf Großbritannien bezieht. Schließlich wird die Arbeit von »Queer Beograd« gezeigt, die sich mit den Rechten von Sexarbeiter_innen befasst und außerdem versucht, die Rolle der Roma in der Kultur herauszustellen und ein Bewusstsein für ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft zu schaffen.
»Queer« ist mittlerweile ein sehr aufgeweichter und oft verwendeter Begriff, der in den Mainstream eingeflossen ist.
Es gibt also Queers, die sich mit Rassismus, Sexismus, der Ausgrenzung von Übergewichtigen etc. befassen. Aber wenn diese Themen jeweils nur isoliert betrachtet werden, fehlt die Unterstützung für diejenigen, die mit überlappenden Unterdrückungsmechanismen konfrontiert sind. Dann wird eine weiße, wohlhabende queere Kultur zur Norm und diese spiegelt mit Sicherheit nicht die Realität queeren Lebens in all ihren Facetten wider.
Die »Queers ohne Grenzen« haben für mich eine besondere Bedeutung. Sie sind nicht nur generell gegen Grenzüberwachung und Abschiebepraktiken, sondern setzen sich auch für queere Flüchtlinge ein, deren Leben aufgrund ihrer abweichenden Geschlechterrollen und Sexualität bedroht ist. Das ist auf jeden Fall ein queeres Thema und damit der nächste Schritt zu einem queeren Aktivismus, der sich auf internationaler Ebene bewegt: Wie wir diese Leute unterstützen können – und dabei sollten wir uns nicht nur auf queere Menschen beschränken. Wir müssen uns den Privilegien der wohlhabenden Länder bewusst werden. Dabei geht es nicht darum, aus eigener Kraft und ganz alleine die Welt zu retten. Aber wir müssen für Bewusstsein und Engagement sorgen.
Für Deine Arbeit, mit der Du Kunst und Aktivismus verbindest, hast Du mehrere Preise bekommen, unter anderem den »Art for Social Change«-Award von MPowerment. Kannst Du mehr von Deiner Vorstellung von »Kunst für gesellschaftliche Veränderung« erzählen?
Haha, ja, meine »Gay Awards«. MPowerment ist ein queeres Jugendprogramm, das zur »Life Long Aids Alliance« in Seattle gehört. Jedes Jahr vergeben sie einen Preis für Arbeit in der Gemeinschaft. Als ich 19 war bin ich von Seattle nach Olympia gezogen. Ich habe ein kunstorientiertes Festival von und für junge Queers ins Leben gerufen: »The Bend-It Extravaganza«. Im vergangenen Frühjahr habe ich das Festival das sechste Mal geleitet, weil ich für eine Weile zurück in Olympia war. Es war das große alternative Event neben dem CSD.
Der Name entstand extra für das Festival und meine Arbeit: Ich wollte ein kulturelles Event schaffen, das nicht nur entweder mit Kunst zu tun hat oder mit Aktivismus, sondern das Kreativität zelebriert und dabei politisch ist. Ein weiterer Punkt war, dass es in der Szene hier viele Vorbehalte Jugendlichen gegenüber gibt und dass Jugendliche unter 21 Jahren von vielen Veranstaltungen ausgeschlossen werden, weil sie noch keinen Alkohol trinken dürfen – totaler Bullshit und überhaupt nicht gemeinschaftsförderlich.
Viele Ideen des Festivals entsprangen der Mentalität von Olympia – als Teenager war dieser Ort für mich eine queere Utopie. Als ich 16 Jahre alt war habe ich das erste Ladyfest (2000) mitorganisiert. 2002 kam das erste Homo-a-GoGo-Festival. Beide Festivals waren auch politisch, sie haben mir die Augen darüber geöffnet, wie einfach es ist, etwas zu organisieren und dann wirklich passieren zu lassen. Seitdem bin ich süchtig danach, Events zu organisieren.
Die meisten Queers, mit denen ich in Olympia zu tun hatte, waren ganz außergewöhnliche Aktivisten und wundervolle Queers, die sich die Welt und Gemeinschaft geschaffen haben, in der sie leben wollten. Zu diesen gehörten Nomy Lamm, Beth Ditto und noch viele andere aus der Musikszene sowie vom Evergreen-College. Auch meine Tante Pat Graney steht mir sehr nah. Sie ist Tanz-Choreographin und ziemlich verdammt radikal. Um mich herum hatte sich also eine queere und politisch aktive Gruppe versammelt, die auch heute noch mein Denken beeinflusst.
Die ewige Frage: gibt es sowas wie queeren Film oder queere Kunst im Allgemeinen? Ich meine, fallen Dir formale Aspekte beim Filmen oder Herangehensweisen bei der Produktion eines Filmes ein, die Du mit »queer« assoziieren würdest? Oder macht nur der Inhalt einen Film queer – wenn überhaupt? Versuchst Du »queer« auch formal in den Film zu übersetzen?
Der Entstehungsprozess des Filmes hat verschiedene Stadien der Struktur und Planung durchlaufen. Ausgangbasis war dabei eine gewisse kollektive Norm unserer queeren Kultur. Die Struktur zu entwickeln war für uns alle ein Lernprozess. Ich selbst habe viel über mich und meine Vorgehensweise in Projekten, auch in künstlerischer Hinsicht, gelernt. Ursprünglich wollten wir die traditionellen Rollen während der Entstehung des Filmes »verqueeren«. Letztendlich war es für mich aber doch wichtig, Verantwortlichkeiten genauer zu bestimmen und zu trennen. Das Projekt war einfach zu groß. Kleinere Projekte oder Zusammenwohnen lassen sich ohne Frage mit einer kollektiven Mentalität organisieren. Bei größeren Sachen wird das zunehmend schwieriger. Das liegt aber auch an meiner eigenen Art. Wenn es um Kunst und Projekte geht, benehme ich mich teilweise wie eine Getriebene. Da helfen Hierarchien in der Produktion auf jeden Fall. Jede_r weiß dann um sein eigenes Aufgabengebiet.
Queere Kunst bedeutet für mich, Dinge zu hinterfragen, Wege zu bestimmten Ideen aufzuzeigen und diese mit dem Selbst zu verbinden. Ich denke, Queers haben ein besonderes Gespür, und das siehst Du an ihren Arbeiten. Was das besondere an queeren Filmen ausmacht und wie man das beurteilen kann: Ich glaube, darum geht es, wie zum Beispiel bei der Programmzusammenstellung von Filmfestivals, genau um dieses Hinterfragen und eine gewisse queere Sensibilität.
Was unseren Film außerdem zu einem queeren Film macht, ist die Tatsache, dass ich auf gar keinen Fall eine langweilige Dokumentation abliefern wollte. Ich bin mir bewusst, dass wir es mit einer MTV-Generation zu tun haben – ob die Leute es nun zugeben oder nicht -– die auf schnelle und flashige Reize steht. Das heißt nicht, dass wir alle zwangsläufig darauf eingehen müssen. Aber diese Art von Darstellung spiegelt auch den außergewöhnlichen Elan und die Begeisterung, die ich bei queeren Veranstaltungen empfinde, wider. Im Moment arbeite ich an einem aufregenden Soundtrack, außerdem wird es Animationen und Video-Kunst geben. Vielleicht wird dieser Film auch durch seinen Aufbau das Dokumentarfilmgenre »verqueeren«.
Da der Film auf Filmfesten einem größeren LGBT-Publikum zugänglich sein wird, möchte ich ihn so interessant und anziehend wie möglich machen. Ich will den Leuten die kritischen Gedanken und Gespräche des Filmes näher bringen. Dafür sollte »queer« auch formal definiert werden. Das heißt, es gibt nicht eine_n Erzähler_in, der_die den Inhalt wiedergibt, und vor allem nicht eine Antwort, sondern viele verschiedene Leute erzählen die Geschichte. Und genau das ist für mich das perfekte Beispiel einer gelungenen Definition von »queer«.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Margaritte und Sid praktisch? Wer macht was in Eurem Team?
»Travel Queeries« war eigentlich ein Kurzfilm, den ich über die Queeruption in Barcelona gedreht habe. Dieser Teil stellt das Grundgerüst für die lange Version dar. Ich wollte auf der Queeruption festhalten, was bei dem Event passiert, all die Gespräche und Leute, die mir dort begegnen würden. Vielleicht lag es auch daran, dass ich andere Dokumentationen über die Queeruption in London und New York City gesehen hatte. Ich wollte einfach mehr davon.
Ich habe Margaritte von meiner Idee erzählt und sie gefragt, ob sie mit mir zusammenarbeiten würde. Im ersten Produktionsjahr hat die Arbeit im Zweierteam sehr gut geklappt. Eine hat die Interviews geführt, die andere hat gefilmt. Abgesehen davon war unser Gepäck und das ganze Equipment unglaublich schwer! Während des zweiten Jahres musste Margaritte wieder studieren und ich dachte, es wäre gut, noch eine weitere Person ins Team zu holen. Sid ist eine gemeinsame Freundin von uns. Sie hat zu der Zeit an einer Dokumentation über zwei Mädchen gearbeitet, die ihre jüdisch-deutsche Familiengeschichte während der Nazi-Zeit aufarbeiten (»The Descendents Project«). Als ich ihr von unserem Projekt erzählte, war sie sofort dabei. Wir haben uns im zweiten Jahr auch viel um Fund-raising und die Logistik für das Projekt gekümmert.
Zu dritt hatten wir genügend Hände und Ideen, um die Produktion voranzutreiben. Ein typischer Produktionstag sah folgendermaßen aus: aufstehen, essen, in der Stadt filmen, um dann im Internet-Café Interviews und Unterkünfte für den nächsten Tag zu vereinbaren. Dann Postkarten nach Hause schreiben, wieder essen, ein oder zwei Interviews aufnehmen, Dinner und eventuell ausgehen. Hinzu kamen regelmäßige Treffen, um Gelddinge und die geplanten Interviews zu besprechen, damit alle stets auf dem gleichen Stand waren.
Natürlich gab es auch Zwistigkeiten. Aber die meiste Zeit über haben wir uns gut verstanden und es einfach genossen, von Stadt zu Stadt zu reisen und dabei großartige Menschen kennenzulernen. Was unsere Rollenaufteilung betrifft: Ich war Regisseurin und Produzentin, Margaritte war zuständig für den Bildaufbau und ebenfalls Produzentin, Sid unsere Produktions-Assistentin. Natürlich haben noch viele andere mitgewirkt: Künstler_innen, Übersetzer_innen, Praktikant_innen, Berater_innen, Spender_innen, etc. …
Ich stelle jetzt gerade eine erste Rohfassung zusammen. Sid ist in New York City und bald wieder in Berlin, um den Film in Vorabsichtungen unserer Zielgruppe zu zeigen und die Ergebnisse über Skype mit mir zu diskutieren. Margaritte hilft derweil auf der Farm einer Freundin in Oregon aus und wird im Herbst wieder da sein, um den Film mit fertigzustellen. Das ist das Team »Travel Queeries«.
Ich weiß, das ist eine schwierige Frage, aber: Was war die beeindruckendste Situation, die Du während der Arbeit an »Travel Queeries« erlebt hast?
Das ist wirklich eine schwere Frage. Als wir im Sommer 2006 während des Ladyfests in Berlin gedreht haben, kamen viele Leute, die mit dem Film zu tun haben oder darin auftauchen, aus Großbritannien und von überall her – es war toll, all diese Leute in einem Raum zu sehen. Das Gleiche passierte beim Queer Festival letztes Jahr in Kopenhagen.
Abgesehen davon war es cool, wie Leute uns in ihren Häusern empfangen und welche Einblicke sie uns in ihr Leben gegeben haben. Das hat uns ein ganz besonderes Gefühl von Gemeinschaft und »meine Leute« vermittelt. Und auch, wenn ich nicht mit allen viel Zeit verbracht habe, bin ich ihnen doch sehr tief verbunden, und dieses Gefühl von Community ist wirklich super. Ich hoffe, dass das Endergebnis alle glücklich machen wird – ich habe diesen Komplex, dass ich gerne alle glücklich machen möchte. Letztendlich entscheidet aber jede_r selber über seine_ihre Reaktion auf den Film und sein_ihr Verhältnis dazu. Ich bin nach wie vor sehr glücklich darüber, all diese brillianten, liebenswerten und sexy Queers zeigen zu können. Sie sind der beste Grund für all die Arbeit, die in dem Film steckt. Und ehrlich gesagt denke ich, dass die denkwürdigsten Momente noch bevor stehen.
»Gender ist das letzte Tabu«, sagt Océan irgendwann, als wir uns gemeinsam Ausschnitte seiner Shows ansehen. »Hier oder in Frankreich, Monsieur oder Madame – wenn die Leute glauben, dass sie mich falsch ansprechen, entschuldigen sie sich sofort hundertmal. Ich sage dann immer: Ist schon o.k., weil es für mich keine Rolle spielt. Aber für die meisten Menschen ist die Welt nicht so.«
Wir sitzen in einer schicken Wohnung in Berlin-Mitte, die Océan auch als Büro nutzt, in der weißen Sitzgruppe, wo er normalerweise Kunden berät. Unsere Wassergläser stehen auf einem Tablett und ich denke kurz, dass man auf dem Glastisch keine Flecken hinterlassen darf. Ich habe verschlafen und bin unrasiert aufgetaucht, noch dazu verspätet,weil ich der Firmenname auf dem Klingelschild irritiert hat, so dass ich dachte, ich sei an der falschen Adresse. Diese Wohnung in Weiß ist viel professioneller als ich und ich gebe mir sofort Mühe, gerade zu sitzen. Océan hingegen bewegt sich hier ungezwungen, obwohl er mit Bartstoppeln, Out-of-Bed-Haar und Trainingsjacke auch nicht so recht ins Bildpassen will. Der Laptop, auf dem wir uns die Clips anschauen, sieht teuer aus, zickt aber bald rum, woraufhin mein Gastgeber im schönsten Deutsch-Französisch fluchend auf allen Vieren unter dem Sofa verschwindet, um am Kabel rumzufummeln.
Vor dem Fenster glitzert die Herbstsonne auf der Spree und blendet mich. Auf dem Bildschirm erscheint endlich ein Kreuzberger Keller; das Bild ist etwas unscharf und der Sound nicht der beste, was Océan, der sich ohnehin nicht gern selbst auf Aufnahmen sieht, sofort peinlich ist. Er gibt gerade auf der Bühne mit Drei-Tage-Bart und hartem Look den Macho, nur um dann herumzuwirbeln und die andere Seite seines Körpers zu präsentieren, die in einem Abendkleid steckt. Die Bewegungen werden weicher, seine Stimme gleitet nach oben. Ich lasse mich ins Sofa sinken. Willkommen in der Übergangszone.
Anlass meines Besuchs ist eine Dokumentation über Océan, die momentan auf internationalen Film- Festivals anläuft. Die Filmemacherin und Anthropologin Saskia Heyden wollte ursprünglich nur einen Kurzfilm über drei Gender-Performer drehen. »Aber irgendwann hat sie gesagt: ›Du reichst schon völlig aus‹«, erzählt Océan. »Und dann meinte sie: ›20 Minuten passen auf keinen Fall. Und 30 auch nicht. O.k., wir machen eine Stunde Dokumentarfilm daraus.‹« Das ist ihm nun wieder nicht peinlich. Muss es aber auch nicht, denn in »Risk, Stretch, Or Die« reichen 60 Minuten kaum aus, um den vielen Facetten von Océans Leben und Kunst gerecht zu werden, der auf der Bühne Tanz, Gesang und Multimedia verbindet.
Scheinbar Unvereinbares liegt dicht nebeneinander
Schlagartig wird klar, wie kurz der Weg von der Butch zur Lipstick-Lesbe ist.
Als ich später zu Hause den Film ganz anschaue, bin ich beeindruckt von der Wandlungsfähigkeit, mit der Océan die verschiedensten Geschlechter und Typen auf die Bühne bringen kann. Die vielen Elemente seiner Shows erlauben es ihm, unterschiedlichste Körperhaltungen, Attitüden, Stimmen und Ausstrahlungen anzunehmen und durcheinander zu wirbeln. Schlagartig wird klar, wie dicht scheinbar Unvereinbares nebeneinander liegt, wie kurz der Weg von der Tunte zur Butch zum Macho zur Lipstick-Lesbe ist – und wie sehr sich diese Rollen gegenseitig brauchen, um sich über Unterschiede zu definieren.
Die Rolle als Rolle zu zeigen, ist hier Programm
Anders als in der herkömmlichen Travestie oder selbst in vielen Drag- King-Shows gibt es bei Océan kein wahres Ich, das in der Performance Grenzen überwindet, um dann bei einem neuen, klar umrissenen Zustand anzukommen. Océan ist in jeder Rolle ganz er oder sie selbst und vermeidet so geschickt und ziemlich aufregend jede Eindeutigkeit, die wieder Grenzen ziehen könnte. Dabei ist nichts einfach nur beliebig oder oberflächlich. Dass Geschlechter und Identitäten angenommen, aufgeführt und gewechselt werden können, ist so eindrucksvoll vorgeführt allemal ein politisches Programm. Océans deutliche Songtexte zu queeren Rechten, die Teilnahme am CSD in Warschau sowie Auftritte bei zahlreichen Veranstaltungen mit explizit politischer Ausrichtung zeigen ohne Zweifel, dass man keine Position beziehen muss, um das Richtige zu tun.
Trotzdem ist so viel Uneindeutigkeit manchem nicht ganz geheuer. Océans Auftritt auf dem Titelbild einer lesbischen Zeitschrift zum Thema »Männer« hatte einen irritierten Leser_innenbrief zur Folge, in dem um Aufklärung über sein »wahres« Geschlecht gebeten wurde. Als die Redaktion sich bemüßigt fühlte, beruhigend zu versichern, es gebe über Océans Integrität in dieser Hinsicht keinen Zweifel, sah er sich seinerseits zu einer halb amüsierten, halb ärgerlichen Reaktion gezwungen. Er verstehe sich selbst als »in der Mittelebend« und halte es für gut, wenn jeder und jede sich neue Möglichkeiten erobere, schrieb er zurück. Dazu sei es auch nötig, »die Bequemlichkeitszone zu verlassen«.
Wie schmerzhaft das für ihn und andere sein kann, hat er auch schon erlebt. »Als ich mich mal bei einer reinen Frauenveranstaltung auf der Bühne in einen Kerl verwandelt habe, gab es schon Pfiffe. Oder die Nummer, wo ich einen homophoben Rapper darstelle. Obwohl ich da am Ende von der Bühne vertrieben werde, verstehen das viele nicht.« Sogar Handgreiflichkeiten gab es: »Ich komme nach der Show raus und diese Frau fasst mir einfach so zwischen die Beine, weil sie wohl wissen wollte, wo sie mich hinstecken soll«. Die zum Teil ärgerlichen und verwirrten Reaktionen zeigen vielleicht, wie sehr auch oder gerade vor queerem Publikum feste Identitäten gefragt sind, in denen sich Selbstbild und Community verankern lassen.
Nicht nur die Aufführung bringt hier die Unsicherheit, sondern auch das Zusehen. Wenn ich mich von dem da oben auf der Bühne angezogen oder sogar erregt fühle, was macht das dann aus mir? Muss ich mich hintergangen fühlen, wenn die begehrte Frau plötzlich ein Mann ist oder der harte Typ das Handgelenk abknickt? Sich Océan gefallen zu lassen, kann auch eine Herausforderung sein.
Wir verlassen die Bequemlichkeitszone
Kunst und Beruf hält Océan strikt getrennt.
Aber je länger wir in dieser Wohnung vor diesem Laptop beieinander sitzen und sehr klares Wasser aus schlichten Gläsern trinken, desto mehr interessiert mich die Übergangszone zwischen Kunst und Beruf, die Océan strikt getrennt hält. Für seine Kunden besteht an seiner Identität kein Zweifel. Wie lässt sich das vereinbaren? Ist das nicht das Doppelleben mit Schrank, vor dem uns unsere Väter und Mütter immer gewarnt haben? Vorsichtig spreche ich das Thema an: Ob er sich damit wohl fühle? Oder sich etwas anderes wünsche? Offensichtlich verlassen wir die Bequemlichkeitszone von Interviewer und Interviewtem. Ich will ihm nicht zu nahe treten, er will der Frage nicht ausweichen.
Später sehe ich, dass auch Saskia Heyden in ihrem Film diese Spannung beschäftigt haben muss, sie zeigt jedenfalls immer wieder Ausschnitte aus Océans Berufsalltag und den Übergang zum Privaten. Ich muss vor dem Fernseher einem Freund recht geben, der ihn ebenfalls in beiden Rollen kennt und sofort meint: »Im Business-Outfit sieht der doch noch viel verkleideter aus als auf der Bühne!« Im Film ist das übrigens schön zu erleben, als Océan für die Arbeit zurecht gemacht bei einem Freund vorbeifährt, der ihn prompt nicht erkennt. Und auch hier und jetzt erzählt mir Océan, wie die Regeln des Business nur ein weiteres Spiel für ihn sind, die seriöse Aufmachung nur ein anderer Fummel, wie er sich Erfolg und die Arbeit, die ihm Spaß macht, nicht nehmen lassen will. Mir imponiert dieses Selbstbewusstsein und Océans Mut, auch hier den eigenen Weg zu gehen. Trotz der Stimmen, die Outing unter allen Umständen fordern, ist es allemal sympathisch.
Aber ich finde nicht ganz in die Bequemlichkeitszone zurück. Ist das wirklich eine selbstbestimmte Grenzziehung oder doch die Grenze, an der klar wird, dass Identitäten sich eben nicht einfach aus dem Kleiderschrank ziehen lassen, dass wir in unserer Wahl keineswegs frei sind? Ich kann das nicht auflösen, finde diesen Zweifel aber auch passend zum Treffen insgesamt.
Ich verabschiede mich von Océan und trete in einen kühlen Herbsttag hinaus. Die Sonne ist weitergezogen, kein Funkeln mehr vom Spreewasser, da ist keine Metapher mehr zu holen. Auf dem Weg nach Hause bin ich mit meinen Gedanken über das Gespräch allein. Erst spät im Film wird Océan noch etwas sagen, was die Begegnung für mich abschließt: »Ich kann mich nicht reduzieren.« So irritierend das manchmal auch sein mag, es ist schön und aufregend, dass ein solches Leben gewagt werden kann.
Ausgerechnet ich schreibe über einen Pornofilm. Wo ich doch in meinem ganzen Leben nur wenige »richtige« Pornofilme gesehen habe und mich am besten an meinen allerersten Porno erinnern kann, der eine hanebüchene Handlung hatte: Blinde Frau lernt reiten, verliebt sich in ihren Reitlehrer, sie haben heißen Sex – und danach kann die Frau wieder sehen. Das ist doch … Ohne Worte!
Dementsprechend hatte ich keine großen Erwartungen, als ich die »SUPERFREAK«-DVD in den Player schob. Und wurde angenehm überrascht. Keine beknackte Story drumrum, einfach nur Frauen, die sich auf einer Queer-Party treffen, ein paar Drinks nehmen, zu sinnlicher Funk-Musik tanzen und flirten. Und auch Sex haben. Mal hinter dem Sofa, im Bad oder auf einem Spültisch.
Angenehm ist,dass die Frauen alle wie im wirklichen Leben ausschauen und man sich als Zuschauerin wenig bis gar nicht wie eine Voyeurin fühlt, sondern eher wie ein gern gesehener Gast, der nicht weiter stört. Schön, dass die Regisseurin Shine Louise Houston ohne hektische Großaufnahmen arbeitet und die Kamera meist nur ruhig draufhalten lässt, was dem Ganzen etwas Entspanntes gibt. Und komisch ist das Ganze auch noch. Und zwar, weil über allem der Geist von Funk Hipster Rick James schwebt, der im Jahr 2004 gestorben ist und mit »SUPERFREAK« einen seiner größten Hits hatte. Er flüstert den Partygästen für uns leider unverständliche Dinge ins Ohr und dann geht’s ab wie Schmidts Katze …
Shine Louise Houston
Regisseurin Shine Louise Houston beschloss nach dem Kunststudium am San Francisco Arts Institute erotische Filme zu drehen, gern mit viel Spaß und noch lieber queer. Die Idee dazu kam ihr, als sie fünf Jahre lang in der von Frauen geführten Sexspielzeugfirma »Good Vibrations« jobbte und Unmengen an Pornofilmen ansah. Sie bekam mit, dass auch lesbische Frauen sich natürlich gerne Erotikfilme ausleihen wollten, es aber nur vier Filme gab, die in Frage kamen. Die waren entweder aus den 1980er-Jahren oder von Männern gedrehte Girl-on-Girl-Pornofilme, deren Pornostars lange Haare und lackierte Fingernägel hatten. Was den Lesben nicht so sehr gefiel und nicht nur den Anschein hatte, als wären die Filme eher für männliche Zuschauer gemacht.
Houston dachte sich »Selbst ist die Frau!« und gründete ihre eigene Porno-Firma, Pink and WhiteProductions, nicht nur, um feine Pornos zu drehen, sondern auch, um ihren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten, die ihrer Meinung nach endlich eine gesunde Sexualität entwickeln soll. Den Vorwurf, dass die Pornoindustrie Frauen ausbeute, findet Houston antiquiert. Sie meint, dass diese Sichtweise ebenfalls bedeuten müsse, dass die Pornoindustrie Männer ausbeutet und wehrt sich gegen diese Anti-Sex Haltung, die Sex nur als Gewalt und Degradierung zulässt.
Ihr filmisches Debut aus dem Jahr 2005, »Crash Pad«, handelt von einem Appartment in San Francisco, zu dem es sieben Hausschlüssel gibt. Alle, die einen Schlüssel ergattern können, können mit dem oder der Wunsch-Sexpartner_in dort hinein und »fantastischen Sex« haben, wie Houston verspricht. Allerdings sind ein paar Regeln zu beachten, wie zum Beispiel dass man anrufen soll, bevor man in der Wohnung vorbeischaut. Wenn niemand rangeht, ist frei. Und immer schön nach dem Motto »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst«. Manchmal werden Anrufer_innen auch zu spontanen Sex-Parties eingeladen. Und: jede_r darf den Schlüssel nur sieben Mal benutzen und muss ihn dann an eine Person weitergeben, der das »Crash Pad« ebenfalls gefallen könnte. Die Sache hat nur einen Haken: Überall sind Kameras, und die Dinge, die dort geschehen, werden »heimlich« (zwinker) gefilmt. Houston selbst leistet sich ab und an einen Cameo-Auftritt im Film.
Man kann sich das Ganze übrigens auch auf der niedlich aufgemachten und wöchentlich aktualisierten Pinkwhite-Website ansehen; dort werden Fotosessions und Videos zum Download angeboten und alle sind eingeladen teilzunehmen: Dykes, Lesben, Transfolk, Femmes, Butches, Bois und Queers. Man kann sich auch gleich online bewerben.
In einem Interview der amerikanischen Zeitschrift »CURVE« wurde Houston übrigens befragt, ob sie sich vorstellen könne, auch mal einen Hetero-Porno zu drehen. Ihre Antwort: »Kann sein, dass ich eines Tages mal mit einem Hetero-Paar einen Porno drehen werde. Aber sie werden definitiv queeren Sex haben!« Angeblich hat sie noch fünf bis sechs andere Filmprojekte in der Schublade. Wir sind gespannt, was sie als nächstes rausholt!